Der Antrag sei laut einer Unternehmensmitteilung nach Abschluss des Schiedsstellenprozesses zwischen Aidhere und dem GKV-Spitzenverband für die Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) Zanadio erforderlich geworden. Zanadio ist als DiGA dauerhaft gelistet und kann auf Kassenrezept ärztlich verordnet werden. Die DiGA bietet eine digital angeleitete Therapie, die auf den S3-Leitlinien zur Behandlung von Adipositas basiert, und so eine Versorgungslücke in der Adipositasbehandlung schließen soll.
Der um mehr als die Hälfte Vergütungsbetrag für die Apipositas-DiGA Zanadio gilt rückwirkend ab Oktober 2021. Die Entscheidung habe Aidhere keine andere Wahl gelassen, als den Schritt zur Insolvenzanmeldung zu gehen. Die Schiedsstelle habe die Entscheidung in dem Wissen getroffen, dass der um mehr als die Hälfte reduzierte Vergütungsbetrag und die daraus drohenden Rückzahlungsansprüche für Aidhere wirtschaftlich nicht tragbar seien.
Unter diesen Umständen seien auch Risikokapitalgeber zuletzt nicht mehr bereit gewesen, die Sanierungsbemühungen zu begleiten. Es handelt sich hier laut Aidhere „um ein branchenweites Problem, wenn verhandelte bzw. geschiedste Vergütungsbeträge mit den aktuellen Abgabemengen für Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen nicht wirtschaftlich sind, wovon die Geschäftsführung ausgeht“.
Das Amtsgericht Hamburg hat den Sanierungsexperten, Rechtsanwalt Dr. Matthias Wolgast, als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ein Investorenprozess wurde eingeleitet, damit das Unternehmen und die Arbeitsplätze der 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst vollständig erhalten werden können. Das Unternehmen setzt seinen Betrieb fort, und die Anwendung ist ohne Einschränkungen für Patientinnen und Patienten verfügbar und bleibt weiterhin verordnungsfähig.