Rund 380.000 Verträge verwaltet nach eigenen Angaben die Abteilung Wirtschaft & Verträge des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT). Hinter der Vertragsdatenbank stünden alleine drei Entwickler. Anhand von Zahlen versuchte BIV-OT-Präsident Alf Reuter den bürokratischen Aufwand rund um das Vertragsrecht zu beschreiben. Zwei hauptamtliche Verhandler, zwei Juristen und rund 100 Ehrenamtliche in verschiedenen Gremien seien in die Verhandlungen mit den Krankenkassen eingebunden. Nach der Einführung des Vertragswettbewerbs im Jahr 2007 habe der BIV-OT rund 2 Mio. Euro in diesem Bereich investiert.
„Was für eine Verschwendung von Ressourcen an Personal, Zeit und Kosten zulasten der Patienten, die wir uns als Gesellschaft angesichts steigender Versorgungskosten und des Fachkräftemangels nicht länger leisten können“, erklärte Alf Reuter.
Die Zahlen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) von 2021 zeigen, dass der Fachkräftemangel im Bereich Orthopädietechnik und Sanitätshaus sogar größer ist als im Bereich der Pflege. Eine Umfrage des Bündnisses „Wir versorgen Deutschland“, zudem der BIV-OT gehört, ergab im November 2022, dass mehr als 90 Prozent der orthopädietechnischen Betriebe und Sanitätshäuser qualifizierte Mitarbeiter für die Versorgung der Patienten fehlen.
Alf Reuter spracht Klartext: „Die Mitarbeiter fehlen, da die Bezahlung miserabel ist.“ Vor allem Gesellen seien in Regionen mit Industriebetrieben anderer Branchen, wie z.B. Rüstung, schwer zu halten. Von daher gelte: „Eine Reform der Hilfsmittelversorgung in Deutschland muss dringend auf den Weg gebracht werden, um diesen Irrsinn zu stoppen und endlich wieder die auf Hilfsmittel angewiesenen Millionen Menschen in den Vordergrund zu stellen.“