Welche Chancen bietet Künstliche Intelligenz für das Gesundheitssystem der Zukunft? Wie wirkt sich ein höherer Warendruck auf den Umsatz aus? Und was tut sich im politischen Berlin? Das zweitägige Programm spannte einen Bogen von der grundsätzlichen Entwicklung des Gesundheitssystems bis zur konkreten Situation und Zukunft der Hilfsmittelversorgung. GP fasst ausgewählte Aspekte zusammen. Prof. Dr. Thomas Druyen brennt für Zukunft. Dabei interessiert sich der Begründer und Direktor des IZZ-Instituts für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Sigmund Freud Privat-Universität in Wien vor allem für psychologische Fragen im Zusammenhang mit Veränderungen. Grundsätzlich gilt: Das Gehirn mag Sicherheit. „Weniger wohl fühlt es sich bei einer unklaren Zukunft. Wir leiden emotional unter Veränderungen.“ Der technologische Wandel überfordere viele Menschen. Digital Natives setzten sich spielerisch und ohne Angst mit den neuen Möglichkeiten auseinander, da ihre Gehirne anders funktionierten. Vor allem die Menschen in Deutschland suchten außerdem Sicherheit und Planbarkeit. „Das ist eine Riesenstärke. Aber es gibt eine Schattenseite. Unvorhersehbarkeit und Geschwindigkeit gefällt uns nicht.“ Druyen fordert daher: „Wir brauchen eine neue Geisteshaltung für die Segnungen der KI.“
Was tut sich in Berlin? Daniela Piossek leitet das Referat Gesundheitspolitik bei der Paul Hartmann AG. In ihrem Impulsvortrag setzte sie sich mit den politischen Aktivitäten in Berlin auseinander. Das Problem: Die Taschen von Bund und Kassen sind leer, stellte Piossek unmissverständlich klar. „Die aktuellen Reformen dürfen keine Mehrkosten verursachen.“ Daher schätzte sie die Chancen für eine Wiedereinführung von Hilfsmittelausschreibungen auf „50/50“. Vor dem Hintergrund sich verändernder Versorgungsstrukturen formulierte Daniela Piossek eine Agenda. Das Sanitätshaus der Zukunft muss:
- sich auf die veränderten Versorgungsstrukturen und neue Zielgruppen einstellen
- digital sein
- Mitglied der entstehenden Versorgungsnetzwerke und Gesundheitsregionen sein
- eine neue Kundenansprache und regionale digitale Versorgungskonzepte haben
- gemeinsam vernetzt agieren
- dem Gesetzgeber und den Kostenträgern Lösungskonzepte zur Effizienzsteigerung anbieten
- unter Beachtung des kommenden Gesundheitsdatennutzungsgesetzes vorhandene Kundendaten für individuelle Angebote nutzen
- braucht über ein gutes Vertragsmanagement direkten Zugang zu den Kostenträgern
- braucht eine starke Interessensvertretung
Wie digital sind die Betriebe?
„Es gibt innovative Unternehmen“, leitete Alexander Bär, verantwortlich für das Business Development bei der Sanitätshaus Aktuell AG, in seine Ausführungen ein. „Aber nur ein kleiner Teil der Individual-OT und -OST hat nachhaltig digitalisiert.“ Bär identifiziert in der Praxis verschiedene Probleme: Fast jeder Betrieb gehe seinen eigenen Weg. Das Wissen werde nicht geteilt. Und hinter den Digitalisierungsinitiativen stehe manchmal nur Person. „Bei Abwesenheit oder Fluktuation brechen die digitalen Prozesse dann zusammen.“ Bär warb daher für eine gemeinsame Entwicklung von Standards und Automatismen, denn: „Viele kleine Häuser werden es alleine nicht schaffen.“ Dadurch ließen sich drei Ziele erreichen:
- Eine höhere Produktivität biete mehr Zeit für die Patienten
- Mit dem gleichen Personal ließen sich mehr Aufträge bearbeiten
- Produktneuentwicklung durch additive Fertigung