Das International Diabetes Federation (IDF) veröffentlicht jährlich neue Prognosen zur zukünftigen Entwicklung des Diabetesgeschehens. Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) haben nach eigenen Angaben erstmals verglichen, inwieweit sich die vom IDF berichtete Erkrankungshäufigkeit von den IDF-Prognosen unterscheiden. Im aktuellen Bericht wird die weltweite Anzahl der Menschen mit Diabetes im Jahr 2021 auf 537 Mio. geschätzt und für das Jahr 2045 ein Anstieg auf 783 Mio. prognostiziert.
„Wir vermuten allerdings, dass diese Prognosen den tatsächlichen Prozess unterschätzen und nicht die vollständige Dynamik der Entwicklung abbilden“, erklärt Prof. Oliver Kuß, Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am DDZ. „Es zeigte sich, dass die prognostizierte Anzahl an Menschen mit Diabetes durchschnittlich bereits ca. zwölf Jahre vor dem errechneten Zeitpunkt zu beobachten ist. Dies entspricht ca. 195 Mio. mehr Menschen mit Diabetes, als aufgrund der Prognose anzunehmen wäre.“
„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der ohnehin schon deutliche Anstieg noch stärker ausfallen könnte als bisher angenommen“, so Dr. Thaddäus Tönnies, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am DDZ und fährt fort. „Zudem zeigen die Ergebnisse, dass weiter Forschungsbedarf bezüglich der Methoden zur Prognose besteht. Insbesondere bezüglich der Datenlage gäbe es weltweit, aber auch in Deutschland, Nachholbedarf.“
Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass die Zahl der weltweit von Diabetes betroffenen Personen in Zukunft erheblich stärker als bisher angenommen steigen könnte. Präventionsmaßnahmen, die das Risiko für Diabetes in der Bevölkerung senken, können dieser Entwicklung entgegenwirken.