Bereits zum 19. Mal lud Jobst, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Sanitätshäusern sowie weitere Kompressionsexpertinnen und -experten zum Jobst-Symposium ein. Unter dem Motto „Du bist das Maß aller Dinge“ stellten renommierte Referentinnen und Referenten am 4. und 5. April 2025 in Fulda aktuelle Forschungsergebnisse vor.
Für viele Aha-Momente sorgte Gabriele Erbacher von der Földiklinik in Hinterzarten, einer Fachklinik für Lymphologie. Die psychologische Psychotherapeutin ist Mitglied der Steuerungsgruppe der S2k-Leitlinie Lipödem sowie Gründungsmitglied und Präsidentin der International Lipedema Association (ILA).
Sie skizzierte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Adipositas und Lipödem und die Folgen für die Therapie. „Es gibt beim Lipödem viele Fehldiagnosen“, sagte Erbacher. Laut der neuen Leitlinie zum Lipödem-Syndrom müssten für dieses eine disproportionale Fettverteilung und Schmerzen zusammen auftreten. „Ohne Schmerzen ist es kein Lipödem“, sagte die Expertin und betonte, dass gerade ein Paradigmenwechsel stattfände. „Ein Lipödem wird jetzt als Schmerzerkrankung betrachtet.“
Weitere Meilensteine der neuen Leitlinie seien für sie, dass nun auch Adipositas und die Psyche mit ins Therapiekonzept einbezogen werden würden. „Gerade die Psyche spielt beim Lipödem eine große Rolle und kann sich gravierend auf den Schmerz auswirken“, sagte Erbacher, die einen ganzheitlichen Blick auf die Krankheiten fordert. Dafür sei es auch wichtig, dass die Fachkräfte im Sanitätshaus die Unterschiede zwischen Adipositas und Lipödem kennen. „Sie sind zentrale Ansprechpersonen für Betroffene und nehmen eine Schlüsselrolle in der Therapie ein“, sagte Erbacher und motivierte die Anwesenden: „Zeigen Sie Verständnis, das kann unglaublich viel bewirken. Und versorgen Sie Betroffene mit Informationen. Wie funktioniert gutes Gewichtsmanagement? Wie und warum wirkt Kompression? Die eigene Krankheit besser zu verstehen kann nachweislich das Schmerzempfinden senken.“