Nach dem Start des E-Rezept-Rollouts ist die weitere Entwicklung des E-Rezepts laut einer Mitteilung von Gesund.de derzeit schwer einzuschätzen. Die Online-Plattform hat verschiedene Akteure befragt: Demnach wird im nächsten Jahr voraussichtlich noch stark das Papier bei der Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente dominieren.
Zu den Befragten zählen externe Fachexperten aus den Bereichen Leistungserbringer, Kostenträger, Hochschule sowie WaWi- und PVS-Hersteller (Anzahl N = 8). Auch der „Apothekerkreis“ wurde eingebunden: eine Gruppe Apothekerinnen und Apotheker, die Gesund.de beraten und unterstützen (N = 8). Zudem wurde eine telefonische Befragung in Arztpraxen in der E-Rezept-Pilotregion Westfalen-Lippe (N = 46) durchgeführt.
Ausgewählte Ergebnisse zur Entwicklung des E-Rezept
- Die Befragten erwarten, dass 18 Prozent aller Rezepte 2023 als E-Rezepte ausgestellt werden. Dies entspräche einer Zahl von 79 Millionen E-Rezepten. Damit dominiert zwar das Muster-16-Rezept auch 2023, aber der E-Rezept-Anteil würde demnach immerhin einen zweistelligen Prozentbereich erreichen.
- Die Experten erwarten, dass die E-Rezepte zu 70 Prozent als Papierausdrucke ausgegeben werden.
- Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als Übertragungsweg für das E-Rezept wird bei einem Anteil von 14 Prozent aller E-Rezepte gesehen.
- Die E-Rezept-App der Gematik spielt mit 11 Prozent eine eher untergeordnete Rolle.
- Knapp fünf Prozent wurde von den Experten auf andere Einlösewege für Nischenanwendungen wie der KIM-Messenger-Dienst angegeben.
Die Arztpraxen in Westfalen-Lippe stehen in den Startlöchern:
- 9 Prozent der Anfang des Monats befragten Praxen (ausschließlich Allgemeinmediziner) haben bereits das E-Rezept im Einsatz.
- 72 Prozent der Praxen planen das E-Rezept bis zum Jahresende einzuführen.
- Rund die Hälfte der Praxen wissen aktuell aber noch nicht, über welchen Einlöseweg sie ihren Patientinnen und Patienten das E-Rezept zur Verfügung stellen wollen. Die Praxen, die es bereits wissen, werden zu 70 Prozent den Papierausdruck zur Einlösung des E-Rezeptes nutzen. Die eGK oder auch die Gematik-App spielen auch bei den befragten Arztpraxen eine untergeordnete Rolle. Sie glauben darüber hinaus, dass die Patientinnen und Patienten mit rund 80 Prozent weiterhin den Papierausdruck bevorzugen.