Die Deutschen bewerten das Gesundheitssystem zwar immer noch als sehr gut. Vielfach waren ihre bisherigen Erfahrungen in den Krankenhäusern noch positiv – wenn auch mit regionalen Unterschieden. Massiv zugenommen haben Beschwerden der Krankenhausärzte über Einschränkungen ihrer Therapiefreiheit. Vielfach müssen sie Behandlungen aus Kostengründen verschieben – oder mitunter Patienten sogar vorenthalten. Dies sind einige Ergebnisse des 8. MLP Gesundheitsreports. Die repräsentative Studie im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP hat das Institut für Demoskopie Allensbach erstellt.
Eine deutliche Ärztemehrheit erwartet eine weitere Zuspitzung der Personalsituation im Krankenhaus für die nächsten zehn Jahre. Vor diesem Hintergrund zeigt sich bei Bevölkerung wie Ärzten eine starke Unzufriedenheit mit der Politik – auch wenn die im Koalitionsvertrag verankerten konkreten Maßnahmen von der Bevölkerung grundsätzlich begrüßt werden. Ähnlich skeptisch und besorgt blicken die Menschen auf die Pflege.
79% der Bevölkerung (Report 2012/2013: 82%) beurteilen die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems und die Qualität der Gesundheitsversorgung als gut oder sehr gut. Bei den Ärzten sind es 90% (2012: 93%). Wartezeiten bleiben für viele Bürger ein Ärgernis: Eine langwierige Terminvergabe beklagen 54% (2012: 52%), einen zu langen Verbleib im Wartezimmer 66% (2012: 64%). Vor allem sind die gesetzlich Krankenversicherten (57 bzw. 69%) unzufrieden, während die privat Versicherten dies nur zu 33 bzw. 44% bemängelten.
MLP Gesundheitsreport: Skeptische Ärzte
Generelle Qualitätsverluste bei der Gesundheitsversorgung in den nächsten zehn Jahren erwarten vor allem die Ärzte mit 64%; bei der Bevölkerung sind es 38%: Jeweils rund 60% gehen davon aus, dass die Kassen nur noch eine medizinische Grundversorgung bezahlen und Patienten viele Kosten, etwa für Operationen, selbst tragen müssen. Mehr als zwei Drittel erwarten daher eine Zwei-Klassen-Medizin. Zugleich rechnen 84% der Ärzte mit Schwierigkeiten, aufgrund der Zwänge künftig alles medizinisch Notwendige verordnen zu können. Zudem erwarten rund drei Viertel der Bevölkerung steigende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung.