Die Digitalisierung des Gesundheitswesens nimmt Fahrt auf – nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Prof. Dr. Jörg Debatin, Leiter des Health Innovation Hubs am Bundesgesundheitsministerium, erläuterte die Entwicklungen der letzten Monate und die weiteren Planungen. Vor allem Bürger mit einem höheren Bildungsniveau messen digitalen Lösungen Vorteile bei.
Die elektronische Patientenakte (ePA) sei die Basis aller Digitalisierungsschritte. Damit sie akzeptiert werden, müssten Patienten und Leistungserbringer ihren Nutzen erkennen und von ihrer Sicherheit überzeugt sein, führte Debatin aus. Durch die Digitalisierung wandle sich die Rolle des Patienten. Mit seinen Daten übernehme er eine aktive Rolle und treibe selbst die Forschung voran.
Vom Notfalldatensatz über die Kommunikation im Medizinwesen (KIM) bis zum elektronischen Datensatz bietet die Telematikinfrastruktur immer mehr Anwendungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund bezeichnete es Jörg Debatin als „Problem“, dass die Hilfsmittelmittelbranche erst 2026 angebunden werde. Unmissverständlich stellt er fest: „Ich würde Amok laufen, wenn ich Sie wäre.“ Alle Vorteile in punkto Übersicht würden Sanitätsfachgeschäften verwehrt. „Aber das werden die Patienten wollen.“ Daher müsse die Branche schneller angebunden werden.
Der Gesundheitsexperte sieht gute Chancen, dass das klappt. Die Politik sei Ärzte gewöhnt, „die sich sträuben“. Wenn die Hilfsmittelbranche dagegen von sich aus früher angebunden werde wolle an die Telematikinfrastruktur, könne sie auf offene Ohren stoßen. Sein Appell daher: „Sprechen Sie mit Parlamentariern.“