Die Kinderhilfsmittel-Versorgung steht laut Rehakind vor einer Zerreißprobe. In Gesprächen mit Betroffenen zeichnet der Verein ein klares Bild: Fachkräftemangel, mentale Erschöpfung und der Verlust von Selbstwirksamkeit prägten den Versorgungsalltag. Hinzu kämen intransparente Verfahren und eine überbordende Bürokratie, die dringend nötige Vereinfachungen blockieren.
Schätzungen zufolge seien rund 25 Prozent der physischen Erkrankungen systemisch bedingt. Dennoch gelingt es den Kostenträgern laut Rehakind nicht, patientenorientierte und vereinfachte Versorgungsprozesse zu etablieren. Christiana Hennemann von Rehakind sagt: „Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch. Doch statt konstruktiv zu handeln, werden neue Prüfszenarien und Fragebögen erfunden, die weder Familien noch Fachkräften entlasten. KI ersetzt mittlerweile kompetente Ansprechpartner auf Seiten der Kostenträger. Das Ergebnis ist Frust statt Fortschritt.“
Ein Beispiel: das beschleunigte Genehmigungsverfahren nach §33 Absatz 5c SGB V. Eigentlich sollte es Einsparungen von über 11 Mio. Euro ermöglichen und die Versorgung spürbar effizienter gestalten. Doch laut Rehakind ist das Gegenteil eingetreten – Verfahren wurden komplexer, Zuständigkeiten unklarer. „Es entsteht der Eindruck, dass komplizierte Genehmigungsverfahren eher der Abschreckung dienen sollen“, so Hennemann. Eltern gäben entmutigt auf, Versorger wechselten die Branche – mit langfristig gravierenden Folgen für die Versorgungssicherheit.
„Wir können nicht gleichzeitig um Fachkräfte für sehr sinnstiftende Tätigkeiten und wichtige Berufsfelder werben und gleichzeitig junge Talente in einem zermürbenden Versorgungsalltag in kurzer Zeit verschleißen,“ warnt Hennemann.
Rehakind fordert daher eine ehrliche Strukturreform und die konsequente patientenzentrierte Ausrichtung aller Verfahren. Nur so könne das Gesundheitssystem wieder „wirksam, menschlich und zukunftsfähig“ werden.