Für Menschen mit einer Harn- oder Stuhlinkontinenz ist ihre Erkrankung oft belastend und mit Tabus behaftet. Moderne Inkontinenz- und Stoma-Produkte sowie die Unterstützung durch Versorgungsspezialisten können zu mehr Lebensqualität verhelfen und den Alltag erleichtern, teilt die Initiative „Faktor Lebensqualität“ des BVMed mit. „Wir müssen Betroffene nach ihrem individuellen Bedarf mit den nötigen Hilfsmitteln und Dienstleistungen versorgen – sowohl qualitativ als auch quantitativ“, so BVMed-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl.
Inkontinenz betrifft in Deutschland insgesamt rund neun Millionen Menschen. Nicht selten führt die Tabuisierung der Erkrankung zu einem Rückzug der Patientinnen und Patienten aus dem gesellschaftlichen Leben und damit auch zu einer eingeschränkten sozialen Teilhabe. Mit modernen Inkontinenz-Hilfsmitteln könne das vermieden werden. Denn es gebe heutzutage für jede Form der Inkontinenz geeignete Therapien und Hilfsmittel. Bei der Auswahl der richtigen Produkte können die Versorgungsspezialisten der Homecare-Unternehmen unterstützen, so Pohl. „Auch danach beraten sie weiter zum richtigen Umgang mit den Produkten, geben Hinweise für den Alltag und stehen bei etwaigen Komplikationen mit Hilfe und Rat zur Seite.“ Diese wichtigen Dienstleistungen seien durch den gegenwärtigen Kostendruck der Krankenkassen nicht mehr gewährleistet.
Oftmals unberücksichtigt blieben in den derzeitigen Versorgungsprozessen und -verträgen auch die einer Inkontinenz zugrunde liegenden, verschiedenen Krankheitsbilder. Die besonderen Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten mit Behinderungen würden darin ebenso vernachlässigt werden. Für eine bedarfsgerechte Hilfsmittelversorgung, die sich an den Patienten orientiert, müssten die differenzierten Versorgungsbedürfnisse verpflichtend dargestellt und deren Mehraufwände in die Vergütungssystematik aufgenommen werden, erklärt Pohl. In anderen Bereichen der ambulanten Versorgung seien bereits entsprechende Anforderungen zur Berücksichtigung differenzierter Versorgungserfordernisse definiert, beispielsweise in der ärztlichen Vergütung oder bei der Zusatzvergütung via Chroniker-Pauschale gemäß Chroniker-Richtlinie des G-BA. „Dies wäre auch für die Inkontinenz-Versorgung der angemessene Weg“, so die BVMed-Expertin.