Und täglich grüßt das Murmeltier: Nach zahlreichen Hilfsmittelreformen in den vergangenen Jahren steht die nächste Reform bereits wieder in den Startlöchern. Krankenkassen und Leistungserbringer kommen im Vorfeld daher mit verschiedenen Vorschlägen um die Ecke. Dabei werden neben Ausschreibungen unter anderem auch Leitverträge ins Spiel gebracht – ein Instrument, dem René Klinke, Referatsleiter Sonstige Vertragspartner beim Verband der Ersatzkassen (vdek), gar nichts abgewinnen kann. Sie erhöhten die Bürokratie, und im Festbetragsbereich in der Kompressionstherapie etwa gebe es „große Probleme“.
Klinke untermauerte seine These mit einer konkreten Versorgung, bei der eine Versicherte über 35 Euro Zuzahlung geleistet habe – für ein Produkt, dass sie online bei einem Sanitätshaus zum gleichen Preis erhalten hätte. Im Heilmittelbereich, wo Leitverträge eigeführt worden seien, würden die Versicherten ebenfalls mit steigenden Zuzahlungen konfrontiert.
„Wir haben aktuell keinen Vertragswettbewerb in einzelnen Produktgruppen“, bemängelte René Klinke und spricht sich generell für weniger Regulierung aus. „Es gibt aktuell keine Möglichkeit, innovative Verträge zu schließen.“
Christian Grete, Director Payers & Health Economics Payers bei Coloplast, kritisierte, dass die Krankenkassen alle Leistungserbringer über einen Kamm scherten. Dabei gebe es in der Stomaversorgung zum Beispiel mit Generalisten, Versorgungs- und Vertriebsspezialisten unterschiedliche Geschäftsmodelle.
Leitverträgen kann auch er wenig abgewinnen, da sie die Versorgungsqualität auf dem niedrigsten Niveau festschreiben würden. Aber: „Wir würden gerne den administrativen Bereich vereinheitlichen“. Grete warb daher für eine differenzierte und aufwandsgerechte Vergütung, ausgerichtet am individuellen Bedarf, die Messung und Honorierung von Outcomes sowie strukturierte Versorgungskonzepte als Pflichtbestandteil. „Dafür brauchen wir andere Modelle, um nach vorne zu kommen.“