Die Menschen gehen mit Bagatellen in die Notaufnahme. Mit diesem häufig gehörten Vorwurf leitete Prof. Dr. med. Bernhard Eßer von der FH Münster seine Ausführungen ein. Der Notfall- und Intensivmediziner ist leitender Oberarzt eines Schwerpunktkrankenhauses und ärztlicher Leiter eines Rettungsdienstes. Für ihn liegt das Problem der überlasteten Notaufnahmen nicht im Patienten begründet, denn: „Ist der Patient schuld, wenn das System Rettung nur eine Standardantwort bereithält?“
Mit der Auswahl zwischen Krankenwagen, Rettungswagen sowie Rettungswagen mit Notarzt gebe es nur drei Pfeile im Köcher. Der Praktiker vermisst daher eine Steuerung im System – wie zum Beispiel in Niederösterreich. Dort arbeite der Rettungsdienst-Disponent mit einer standardisierten Notrufabfrage, die ihn bei seiner Arbeit entlaste, führte Eßer aus. Abhängig von den Antworten lege ein mit KI unterstütztes System den Einsatz fest. Wichtig: Politik und Verantwortliche müssten in diesem Fall ehrlich kommunizieren, dass es in Einzelfällen zu einer Fehlentscheidung kommen könne.
In einer Live-Präsentation zeigte Bernhard Eßer die Möglichkeiten der Software Emergency Eye auf. Damit können zum Beispiel Rettungskräfte das Smartphone des Ersthelfers orten, sich auf die Kamera des Anrufers schalten und somit die Situation vor Ort besser einschätzen und zu Erstmaßnahmen anleiten. Auch können sie besser abschätzen, welche und wie viele Einsatzkräfte sie schicken müssen. Der Datenschutz sei immer gewährleistet, da der Smartphone-Nutzer jeden Zugriff immer erlauben müsse.
Einen ersten Eindruck von der Idee und Funktion der Software Emergency Eye finden Interessierte hier.