Der wichtigste Punkt in der heutigen Medienlandschaft ist simpel: Menschen vertrauen Menschen – nicht Logos. Wir sehen es in allen Daten: Die Loyalität zu Marken sinkt, während Creator:innen und Influencer:innen stetig an Reichweite und Einfluss gewinnen. Algorithmen verstärken diesen Effekt, indem sie Postings von Personen bevorzugen. Ein einfaches Beispiel: Beiträge von Mitarbeiter:innen erzielen im Schnitt die achtfache organische Reichweite gegenüber Unternehmens-Accounts.
Für das Sanitätshaus bedeutet das: Wir müssen auf Protagonist:innen setzen. Das können Creator:innen sein, die schon Communities aufgebaut haben. Oder wir sind mutig genug, eigene Gesichter aufzubauen – Mitarbeitende, Kund:innen oder Patient:innen, die stellvertretend Geschichten erzählen.
Dabei geht es nicht um Werbung, sondern um Entertainment. Mehr Show, mehr Sitcom, mehr Documentary. Wir kennen den Effekt aus Casting-Shows: Sobald wir uns einmal mit einer Person verbunden fühlen, wollen wir sehen, wie sie sich entwickelt. Und noch wichtiger: Wir wollen sehen, wie diese Person mit anderen interagiert. Menschen interessieren sich am meisten für Beziehungen – Freundschaften, Familienbande, Konflikte, Allianzen. Genau das macht Geschichten lebendig und hält uns dran.
Ein Sanitätshaus wird so nicht als „Versorger für Kranke“ wahrgenommen, sondern als Bühne für Geschichten über Resilienz, Selbstständigkeit, Lebensqualität – und über die Beziehungen, die all das tragen. Das macht es nahbar, relevant – und plötzlich auch für junge Zielgruppen interessant.
Der Autor
Toan Nguyen gehört zu den Gründern der Games- und E-Sport-Agentur Jung von Matt Nerd in Hamburg. Zum Jahresende wird er die Agentur verlassen und sich neuen Aufgaben widmen.