Die Photonik-Forscher Prof. Dr. Ulrich Wagner und Prof. Dr. med. Herbert Plischke von der Hochschule für angewandte Wissenschaften München (HM) verfolgen ein Ziel: Sie wollen individuell anpassbare Bausätze für aktive Kinder-Orthesen entwickeln, die gleichermaßen kostengünstig sind und durch Skalierbarkeit mitwachsen. Im Rahmen der Förderinitiative "Light Cares" unterstützt jetzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ihr Projekt "Aproach". Das Fördervolumen beträgt 120.000 Euro und läuft bis Ende 2018. Auf der Messe Rehacare in Düsseldorf wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.
In einem ersten Schritt erheben Prof. Dr. Ulrich Wagner und Prof. Dr. med. Herbert Plischke, Professoren an der Fakultät für anwandte Naturwissenschaften und Mechatronik der Hochschule München, die biometrischen Parameter betroffener Kinder an freiwilligen Probanden. Aus den spezifischen Daten wird per CAD eine individuelle und später einfach zu modifizierende Vorlage für die aktive Orthese konstruiert. Die Fertigung erfolgt durch Laser-Sintering. Dabei unterstützt die Firma Formrise als Partner das Projekt. Der aktive Teil der Orthesen – Sensoren, Aktoren und Energieversorgung – soll mit Lösungen der "Maker"-Bewegung entwickelt werden. Zusammen mit klinischen Partnern werde dann die Wirksamkeit der Orthese optimiert.
Die individuellen Vorlagen für die Orthesen könnten den Eltern der Kinder bei entsprechender Expertise als frei zugänglicher, umfangreicher Datensatz in einer Open-Source-Plattform zur Verfügung gestellt werden. So könnten sie eine individuell angepasste, aktive Orthese für ihr Kind mit entwerfen und über einen Medizinprodukte-Hersteller als dokumentierten Bausatz bestellen. Ziel der Studie soll auch die Machbarkeit einer Kombination von modernen, kostengünstigen 3-D-Verfahren, Open-Source-Technologien und der Bereitstellung der Orthesen im Rahmen des deutschen Medizinproduktegesetzes sein.Der technische Fortschritt, die Digitalisierung und die Miniaturisierung verändern die Orthopädietechnik. Fallende Preise für Hightech-Photonik-Komponenten erhöhten deren Potenzial für Alltagsanwendungen. Vor wenigen Jahren noch industriellen Nutzern vorbehalten, seien sie heute, auch durch die "Maker"-Bewegung, für praktisch Jedermann verfügbar.