Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und medizinische Fachgesellschaften sehen sich in ihrer Rechtsauffassung bestätigt. Der Spuk scheint vorbei zu sein – oder nicht?
Die Craftsoles-Macher geben auf jeden Fall noch nicht klein bei. „Mit Hochdruck arbeiten wir daran, den Service bald wieder den gesetzlich Versicherten anbieten zu können“, sagt Arlett Chlupka aus dem Geschäftsführer-Team des Sanitätshauses Meevo Healthcare mit seiner Eigenmarke Craftsoles. Sie ist überzeugt: „Fest steht schon jetzt, dass das neue Versorgungskonzept aus dem Alltag für Versicherte und Krankenkassen nicht mehr weg zu denken ist.“
Es bleibt abzuwarten, ob Craftsoles und die Barmer den Online-Versorgungsweg für Einlagen so gestalten können, das er rechtlichen Vorgaben standhält. Unabhängig von der künftigen Entwicklung dieser Kooperation steht jedoch fest: Viele Leistungserbringer müssen ihre Geschäftsmodelle digitalisieren. Das ist aber immer noch nicht allen bewusst. Warum sonst würde Care Integral Geschäftsführer Timo Scharpenberg auf dem Salitaris-Treffen in Hamburg so ein hartes Urteil fällen: „Wir sind gerade in der wichtigsten Phase der Digitalisierung, doch es gibt viele Betriebe, die das verschlafen.“ Vor diesem Hintergrund ist es daher fast ein wenig bedauerlich, dass der besonders laut klingelnde Craftsoles/Barmer-Wecker vorläufig ausgeschaltet wurde. Denn so ist zu befürchten, dass sich viele Sanitätshäuser und Orthopädietechniker weiterhin in trügerischer Sicherheit wiegen. Eine differenzierte Betrachtung tut not: Die Selbstvermessung auf der Basis eines Kohlepapier-Abdrucks steht zwar nicht für eine moderne digitale Versorgung. Doch der Service und die Kommunikation rund um die Einlage herum erfüllen digitale Kundenansprüche.
Digitale Tools für die Vermessung und Fertigung in Verbindung mit handwerklichem Know-how sind künftig ein Baustein des Erfolgs. Aber sie alleine reichen nicht. Die Betriebe müssen ihre Kompetenz besser nach außen darstellen, nicht zuletzt über Multi Channel-Formate. Aus der Branche heraus entwickelte Lösungen wie die App Sani Kid weisen den richtigen Weg. Sven Koppelwisers Prognose auf dem Salitaris-Treffen möge daher in Erfüllung gehen: „Die größte Disruption der Branche ist die Professionalisierung.“ Hoffentlich!