Die Ergebnisse geben laut der Autoren einen Ausblick in die Zukunft der Krankenversicherungsbranche im Jahr 2030. Fazit: Die konventionelle Gesundheitsbranche laufe Gefahr, von den Treibern der Entwicklung überholt zu werden. "Die Branche steht kurz vor einem grundlegenden Innovationsschub", resümiert Kai Gondlach, Senior Researcher bei 2b Ahead und Autor der Studie. "Die eindeutige Botschaft lautet: Rollenwandel oder Bedeutungsverlust für die Akteure."
Sieben Kernaussagen
Die Autoren fassen die Ergebnisse in sieben Kernaussagen zusammen:
- Das traditionelle Verhältnis der Akteure in der Gesundheitswirtschaft wird durch eine immer individuellere Medizin und die Möglichkeiten der Digitalisierung auf eine neue Grundlage gestellt.
- Versicherte und Patienten werden zu Gesundheitskunden. Sie erwarten jederzeit eine präzise und differenzierte Bestimmung ihres aktuellen und zukünftigen Gesundheitszustandes.
- Gesundheit ist kein Zufall: Die Gesundheitskunden der Zukunft messen die Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitsanbieter an deren Prognosekompetenz. Hier erweist sich die Relevanz der Akteure: die entscheidende Voraussetzung für lukrative und sinnstiftende Geschäftsmodelle der Zukunft.
- Nicht der einzelne Mediziner, sondern intelligente Software und neuronale Netzwerke übersetzen die Körperdaten der Gesundheitskunden in konkrete Handlungsempfehlungen; für die Versicherten selbst, Mediziner, Apotheker, Nahrungsmittelhersteller.
- Die Gesundheitsförderer werden vermehrt Leistungs- und Körperoptimierung sowie Lebensverlängerung in ihr Leistungsportfolio aufnehmen.
- Der Wandel hat begonnen. Erste Akteure sind bereits auf dem Markt und stellen die konventionelle Branchenlogik auf eine neue Grundlage.
- Krankenversicherungen werden zu prädiktiven Gesundheitsförderern. Soweit das Solidarprinzip hierzu befähigt, ist es weiterhin eine tragfähige Grundlage der Krankenversicherung der Zukunft.
Eingriff in die Genetik
Vorsorge werde in wenigen Jahren auch den aktiven Eingriff in die Genetik, vor allem aber individualisierte Ernährung und Medikation einschließen. Das Fundament für erfolgreiche Prävention bilde den Studienautoren zufolge ein wachsender Datenstrom, den Gesundheitskunden zum Wohle ihrer Gesundheit bereitwillig demjenigen Anbieter zur Verfügung stellen, der die erfolgreichsten Empfehlungen zur Prävention von Krankheiten gibt. Heutige Krankenversicherungen würden somit zu prädiktiven Gesundheitsförderern.Der Schlüssel hierzu sei die digitale Kommunikation.
Grundlage bildet ein kanalübergreifendes Echtzeit-Kommunikationssystem im Sinne eines Omnichannel Managements und eine hochgradige Automatisierung der internen Abläufe. Dies erfordere eine moderne IT-Infrastruktur zur Echtzeit-Datenverarbeitung. Der Umgang mit Daten werde dabei zur Überlebensfrage. Prof. Dr. Dr. Arkadiusz Miernik, Oberarzt Universitätsklinikum Freiburg und ein Experte der Studie, wählt deutliche Worte: "Die häufigste Todesursache in Deutschland ist mutmaßlich der Datenschutz."