Was ist ein Charcot-Fuß und wie entsteht er?
„Meist beginnt der Erkrankungsprozess mit einem Ermüdungsbruch und es entsteht ein entzündliches Ödem“, so Häusler. In mehr als der Hälfte der Fälle brechen die Gelenke zwischen Fußwurzel und Mittelfußknochen, da dort die Belastung am größten ist. Bei jedem Fünften sind die Gelenke zwischen Zehen und Mittelfußknochen und bei jedem Zehnten die Sprunggelenke betroffen. „Das Fatale ist, dass durch die Nervenschäden, die dem Charcot-Fuß vorausgehen, die Patientinnen und Patienten die Verletzungen nicht spüren und ein Teufelskreis aus weiterer Belastung der Fraktur und zunehmenden Schädigungen am Fußskelett entsteht.“
Personen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes erkranken gleichermaßen häufig am Charcot-Fuß. „Entgegen geläufiger Meinung beobachten wir in der Praxis, dass auch Menschen mit einem optimalen Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) betroffen sein können“, führt Häusler aus. „Über die Erkrankungsursachen des Charcot-Fußes ist noch immer zu wenig bekannt, aber zu vermuten ist, dass – neben der Stoffwechseleinstellung und der Länge einer Diabeteserkrankung – auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielen könnte.“
Um den Zerstörungsprozess am Fuß schnellstmöglich aufzuhalten, sei die Behandlung unbedingt durch geschultes Fachpersonal auszuführen. „Häufig begeben sich Betroffene allerdings zu spät in Behandlung. In einem späteren Stadium wächst der Knochen bereits deformiert zusammen“, warnt Häusler. Suchen Betroffene zwar frühzeitig eine Arztpraxis auf, lasse sich der Bruch jedoch nicht über Röntgen identifizieren. Da sei nur eine Magnetresonanztomografie (MRT) aufschlussreich. „Menschen mit Diabetes sollten sich daher bei den kleinsten Fußveränderungen immer gleich an ihr Diabetesteam wenden. Idealerweise suchen sie eine diabetologische Schwerpunktpraxis oder eine diabetologische Fußambulanz einer Klink auf, wo multidisziplinäre Teams arbeiten.“ Denn der Charcot-Fuß, wie das DFS allgemein, ist ein hochkomplexes Erkrankungsmuster, das von Expertinnen und Experten aus der Diabetologie, Gefäßdiagnostik, Wundtherapie, Chirurgie und medizinischen Fußpflege gemeinsam behandelt werden sollte.