„Wir reden wenig über Werte, aber viel über Preise.“ Prof. Dr. Joachim Kugler (TU Dresden, Gesundheitswissenschaftler/Public Health) kritisierte die grundsätzlichen Mechanismen des deutschen Gesundheitssystems mit deutlichen Worten. Im ersten von acht branchenpolitischen Foren am 10. Mai rund um die Verantwortung für eine qualitätsgesicherte und fachgerechte Hilfsmittelversorgung warb er für eine „value based medicine“. Im Vordergrund müsse die Frage stehen, welchen konkreten Wert die Versorgung für den Patienten habe. Statt Einzelabrechnungen jedes einzelnen Leistungserbringers warb er für eine „vernetzte Behandlung“, die mit einer Fallpauschale honoriert werden sollte. Dann würde im System selbst dafür gesorgt, dass keine Medikamente weggeworfen oder Hilfsmittel unbenutzt in der Schublade liegen würden. Wie beim Hausbau brauche es „einen Generalunternehmer“, der die Versorgung organisiere und den Hut aufhabe.
Die GKV steht finanziell unter Druck. Doch wo sparen? Carla Meyerhoff-Grienberger, Referatsleiterin beim Spitzenverband Bund der Krankenkassen, Fachgebiet Hilfsmittelversorgung, stellte klar, dass bei einem Ausgabenanteil von 4 Prozent an den Gesamtausgaben der Hilfsmittelbereich keine großen Potentiale biete. Ein Prozent Ersparnis im Krankenhausbereich bringe dagegen deutlich mehr.
BIV-OT-Präsident Alf Reuter vernahm die Aussage mit Freuden. Gleichwohl stellte er klar, dass der Reha- und der OT-Bereich mit einer durchschnittlichen Steigerung um 3 Prozent keine Kostentreiber seien. „Das sind keine Riesensprünge.“ Reuter sprach sich für einen umfassenden Bürokratieabbau aus. „Ich beschäftige so viele Mitarbeiter in der Verwaltung wie am Patienten. Wir müssen 200 bis 250 Verträge händeln. Da müssen wir ran.“ Eine wichtige Maßnahme sei daher ein Verbandsvertrag anstelle der aktuell sehr vielen Einzelverträge mit Kostenträgern. Auch die grundsätzlich richtige Präqualifizierung dürfe im Detail und bei den Begehungen nicht ausufern.